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Tuesday, March 12, 2013

I am a Surrealist – Wer interessieren will, muss provozieren (Salvador Dalí)

Die surrealistische Kunst ist ein einziges Denkspiel, da werden Dinge zusammengeworfen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, offensichtliche Beziehungen dagegen werden hinterfragt: Die Abbildung der Pfeife macht nach René Margritte (1898-1976) noch lange keine Pfeife (Ceci n'est pas une pipe, 1929), der Blick in den Spiegel zeigt nichts weiter als unseren Rücken, es regnet Männer mit Hüten, wir drehen uns im Kreis, können das Rätsel nicht lösen und die Zeit schmilzt uns davon.

 

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Salvador Dalí, Die Beständigkeit der Erinnerung, 1931.
Öl auf Leinwand, 24,1 cm x 33 cm.
Museum of Modern Art, New York.


 

Erfolgreicher als René Margritte war nur Salvador Dalí (1904-1989). Er bewies schon früh, dass er ein unglaubliches zeichnerisches Talent besaß, als 18-Jähriger begann er sein Studium an der Academia de San Fernando (School of Fine Arts) in Madrid und war dort bei seinen Mitstudenten und Professoren nicht nur für seine herausragenden Werke, sondern auch für sein provokatives und exzentrisches Verhalten bekannt. Kurz vor seinem Abschlussexamen flog er von der Schule, als er verlauteten ließ, dass keiner der Professoren dazu qualifiziert wäre, ihn zu prüfen. 1929 trat Dalí den Surrealisten bei, die Art denen die Art der Kommerzialisierung seiner Arbeiten jedoch von Anfang an unangenehm war. Als er sich weigerte, eine politische Haltung gegen den Faschismus einzunehmen und die anderen ihn daraufhin 1934 aus der Gruppe der Surrealisten ausschlossen, bemerkte er trotzig: „The only difference between me and the Surrealists is that I am a Surrealist.

 

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Salvador Dalí, Selbstbildnis mit Raffaels Hals, 1921.
Öl auf Leinwand, 41,5 x 53 cm.
Teatro-Museo Dalí, Figueres.


 

Dalí verknüpfte wie kein anderer eine nahezu fotografische Darstellung mit einer symbolischen Tiefe, und im Gegensatz zu vielen anderen Surrealisten konnte er sich geschickt vermarkten.

Mit seinem Markenzeichen, dem schwarzen Zwirbel-Schnauzer, zu dem ihn höchstwahrscheinlich Diego Velázquez inspirierte, stach der Lebenskünstler auch optisch unter seinen Kollegen hervor. Sein eigener Stil aber insbesondere sein provokatives Verhalten sicherten ihm stets das Interesse der Medien. Sein außerordentliches künstlerisches Talent, die Vielzahl seiner Arbeiten, seine narzisstische Selbstdarstellung, Luxus, Verschwendung und Exzesse sowie seine provokativen (oft nicht angebrachten) politischen Stellungnahmen haben Dalí zu einem der bekanntesten Künstler des späten 20. Jahrhunderts gemacht.

Das Centre Pompidou in Paris widmet dem surrealistischen Künstler eine große Retrospektive: 200 Exponate, darunter neben Gemälden, Skulpturen, Skizzen und Schriftstücken Dalís auch audiovisuelle Medien geben noch bis zum 25. März einen recht neutralen Einblick in das Werk, das Umfeld und die Persönlichkeit des temperamentvollen spanischen Künstlers, der von 1930 bis 1932 mit seiner Muse in Paris lebte.

Einen eigenen Eindruck von dem Künstler, seinem Werk und seinen Kontroversen können Sie auch anhand des im Verlag Parkstone International erschienenen Titels Leben und Meisterwerke Salvador Dalí gewinnen, der auch als E-Book verfügbar ist. Der Autor, Eric Shanes, erläutert Dalís Meisterwerke, analysiert die Persönlichkeit und lädt dazu ein, in das beeindruckende und verrückte Universum des genialen Künstlers einzutauchen. Auch Victoria Charles setzt sich in der ebenfalls im Verlag Parkstone International erschienenen Einzelpublikation Salvador Dalí mit dem spanischen Surrealisten auseinander.

C. Schmidt

Thursday, February 21, 2013

Auf dem Kriegspfad mit meinem sonst so geliebten technischen Wunderwerk

Die moderne Technik ist überall. Der Computer ist aus keinem Büro oder Wohnzimmer mehr wegzudenken, das Internet ist mittlerweile auch unterwegs ständiger Begleiter. Nicht nur im Alltag, nein selbst im Urlaub oder im Restaurant ist der Tablet-PC oder das I-Phone immer griffbereit. Es werden Fotos gemacht, Bilder auf Facebook hochgeladen und jede gehaltvolle Unterhaltung damit nichtig. Und wenn Hard- und Software funktionieren, scheinen viele in ihrer kleinen digitalen Welt auch glücklich und zufrieden.

Doch was passiert, wenn Firefox® mal aussteigt, das DVD-Laufwerk spinnt oder der Bildschirm sich in ein Pixelmeer auflöst? Dann wird es ein wenig seltsam. Für den „Normal-User“ heißt es jetzt erst mal Ruhe bewahren und dem System ein wenig Zeit geben. Häufig hilft auch das klassische „turn off and on again“. Wenn immer noch keine Besserung in Sicht ist, hofft man auf die Hilfe einer guten Computerfee, die sonst immer alles ganz schnell wieder in Ordnung bringt, oder auf den besten Freund per Ferndiagnose. Und wenn das alles nichts hilft und das Dokument verloren ist, der Router einfach keine Verbindung zum Internet findet oder das Programm was sonst doch immer macht, was man will, einfach nicht mehr reagiert, dann werde zumindest ich langsam nervös, verärgert und ungeduldig.

Und wenn es sich in diesen Momenten, in denen sich meine elektronische Rechenanlage für unbestimmte Zeit von mir verabschiedet, um einen dieser Momente handelt, in denen es sich um Abgabetermine, Deadlines oder einen Einsendeschluss handelt, stehe ich spontan auf dem Kriegspfad mit meinem sonst so geliebten technischen Wunderwerk. Aber auch hier wird sich eine kreative Problemlösung finden lassen.

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Marc Chagall, Ich und das Dorf, 1911.
Öl auf Leinwand, 191,2 x 150,5 cm.
Museum of Modern Art, New York.


Keine Lösung für die Probleme der Realität des 20. Jahrhunderts hatte der Künstler Marc Chagall, aber zumindest begegnete er ihnen mit Kreativität und Optimismus. Begleiten Sie den Künstler auf seiner Reise durch das Jahrhundert und lassen sie sich von der kreativen Auseinandersetzung mit den Problemen seiner Zeit in der Ausstellung Chagall – Entre Guerre et Paix im Musée du Luxembourg in Paris vom 21.02.2013 bis zum 21.06.2013 inspirieren. Alternativ genießen Sie, während Sie sich mal wieder über ihren Computer ärgern, die Kunst Chagalls mit den Monografien des Verlages Parkstone International.

Friday, February 1, 2013

Freundschaft über die Kontinente hinweg

Wenn es jemanden privat oder beruflich an das andere Ende der Welt verschlägt, ist das alles erst einmal aufregend, neu und spannend. Aber irgendwann kommt der Punkt, der ein oder andere mag ihn Heimweh nennen, an dem man nicht nur seine Familie sondern auch seine Freunde ganz arg vermisst. Freunde, die einem aus der Schulzeit oder dem Judoverein erhalten geblieben sind, die einen durch die Höhen und Tiefen des Studiums begleitet haben oder Menschen, denen man begegnet und sie in seinem Leben nicht mehr missen möchte. Keiner dieser Menschen ist selbstverständlich. Und so sehr man die guten Zeiten mit ihnen liebt, so sehr hasst man Belehrungen oder einen „gut gemeinten“ Rat, der gerade nicht in die Gesamtsituation passt. Dennoch lässt sich Freud und Leid gemeinsam mit ihnen in jeder Lebenslage ertragen.

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Edouard Monet, Musik im Tuileringarten, 1862.
Öl auf Leinwand, 76,2 x 118,1 cm.
The National Gallery, London.


Am anderen Ende der Welt ist man nun zwar immer noch dank der modernen Technik von Internet, E-Mail und Skype miteinander verbunden, und auch ein gelegentlicher Brief erhält die Freundschaft, aber irgendwie fehlt da etwas – das gemeinsame Bier nach Feierabend mit den alltbekannten Gesichtern, Renovierungsaktionen in der Küche oder Gespräche über das aktuelle Liebesleben – eine vertraute Interaktion mit Freunden, die den Alltag bereichert.

Und es ist großartig, dass man auch am anderen Ende der Welt gute und sehr gute Freunde findet, die einen gemeinsamen Feierabendumtrunk nicht verschmähen und auch mit ihren ungefragten Ratschlägen (leider) nicht zurückhalten.

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Edouard Manet, Abfahrt des Folkstonedampfers, 1869.
Öl auf Leinwand, 60 x 73,5 cm.
Philadelphia Museum of Art, Philadelphia.


Und da unsere Welt immer internationaler wird, sind vielleicht gerade die so geliebten und gleichzeitig verhassten sozialen Netzwerke für einen Großteil unserer Weltenbummler so wichtig, weil sie so nicht nur in Kontakt mit ihren „Freunden“ bleiben, sondern auch durch eine mitunter überschwängliche Anzahl von Fotos bildlich an ihrem Leben teilhaben können, ganz nach dem Motto: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Und genau diesem Motto folgend, präsentiert die Royal Academy of Arts London noch bis zum 14. April die Ausstellung Manet – Portraying Life. Lassen Sie sich alternativ mit dem Titel Manet von Nathalia Brodskaya des Verlages Parkstone International in die Welt der Bilder des Impressionisten entführen.


Vom „Erbfeind“ zum Freund

Die deutsch-französische Freundschaft ist seit 1963 vertraglich geregelt, und so jährte sich am 22. Januar die Unterzeichnung des Élysée-Vertrages zum 50. Mal. Neben Städtepartnerschaften, dem deutsch-französischen Jugendwerk und anderem mehr sind es doch die jeweiligen Staatsoberhäupter, Präsident und Kanzler(in), die diese Freundschaft immer wieder zu einem Ereignis machen. Die im Vertrag vorgesehenen Konsultationen des jeweiligen „deutsch-französischen Paares“ gehen meist nur wenig später mit Bilddokumenten durch die Medien. Und so können wir sowohl über zahlreiche Karikaturen als auch über Foto- und Videoaufnahmen oft genug schmunzelnd politische Geschichte erleben.

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Jacques-Louis David, Die Salbung Napoléons und Krönung Joséphines am 2. Dezember 1804 in der Kathedrale Notre Dame, 1806-1807.
Öl auf Leinwand, 612 x 979 cm.
Musée du Louvre, Paris.


Die Verdienste von Charles de Gaule und Konrad Adenauer sind unumstritten, der recht kühle Umgang zwischen Georges Pompidou und Willy Brandt ist Geschichte. Valéry Giscard d’Estaing legte zusammen mit Helmut Schmidt den Grundstein für den Europäischen Rat, die Weltwirtschaftsgipfel sowie das mittlerweile heftig umstrittene Europäische Währungssystem.

Die wohl symbolträchtigste Versöhnung unserer beiden Länder vollzogen François Mitterand und Helmut Kohl, als sie sich während der Gedenkfeier für die gefallenen Soldaten der Weltkriege am Schlachtfeld von Verdun die Hand reichten. Bewegend und zugleich grotesk.

Wirklich freundschaftlich war es dann zwischen Jacques Chirac und Gerhard Schröder, der sich bei einer Sitzung für den Europäischen Rat sogar von seinem französischen Kollegen vertreten ließ.

Merkozy, die Wortneuschöpfung der Presse aus dem Jahr 2011, beschreibt neben all den Bilddokumenten wohl am deutlichsten das politische Verhältnis von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, die sich in der gemeinsamen Zeit vor allem mit Wirtschafts- und der Staatsschuldenkrise beschäftigen mussten. Was die Beziehung zu François Hollande bringen wird, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

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Charles Joseph Natoire, Europa auf dem Stier, 1731.
Öl auf Leinwand, 262 x 294 cm.
Eremitage, St. Petersburg.


Wenn Sie sich nicht nur für die politische Geschichte, sondern auch für französische Zeichnungen und Aquarelle begeistern können, so haben Sie ab dem 27. Januar 2013 in der Ausstellung Color, Line, Light: French Drawings, Watercolors, and Pastels from Delacroix to Signac in der Natinal Galery of Art in Washington, D.C., die Gelegenheit, die Kunst unseres Freundes Frankreich zu entdecken. Alternativ finden Sie mit dem Titel Französische Malerei von Victoria Charles aus dem Verlag Parkstone International einen idealen Begleiter durch die französische Kunstgeschichte.

Wednesday, January 30, 2013

Die jungen „Wilden“ erobern das Stillleben

Bei dem Gedanken an die Gattung „Stillleben“ kommen mir Früchte, totes Wildbret auf einem Silbertablett, verstaubte alten Vasen auf dem Dachboden oder farblich in Altrosé getauchte Blumensträuße in den Sinn. Alles künstlerisch wertvoll auf einem Tisch angeordnet und vom Künstler in einer technischen Meisterleistung klassisch und der Natur getreu auf die Leinwand gebracht. Hier und da gibt es interessante Details zu entdecken, und über die Symbolischen Bedeutung wird es sogar spannend. Doch die inhaltliche Wiederholung der abgebildeten Objekte wirkt mitunter emüdent auf den Betrachter und irgendwann ist das nächste Stillleben „nur“ noch schön anzuschauen.

 

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Jan Davidz de Heem, Stillleben mit Dessert, 1604.
Öl auf Leinwand, 149 x 203 cm.
Musée du Louvre, Paris.

 

Als Ausgangspunkt jeder akademisch-künstlerischen Ausbildung zur Erlangung technischer Perfektion steht das Stillleben – es werden Proportionen, Perspektiven, Lichtverhältnisse und Oberflächenstrukturen studiert und auf der Leinwand wiedergegeben. Für gewöhnlich erlaubt gerade das so klassische Stillleben keinen Raum für „Kreativität“, und dennoch erfuhr diese Gattung spätestens seit Paul Cézanne (1839-1906) ihre Emanzipation und wird zur Quelle der Inspiration und Variation. Dem Künstler gelang es, in der freien Konzeption des Stilllebens die eigene künstlerische Wahrheit zu finden. In der bewussten Vernachlässigung von Perspektive, Proportion und Oberflächenstruktur zeigt sich nicht nur eine Umformulierung der Ausdrucksformen, es gelang den jungen „Wilden“, allen voran Matisse, auch, einen Skandal in der Kunstgeschichte auszulösen. Die Auflösung der Objekte in Flächen und die autonome Verwendung der Farbe stellte ihre Neuinterpretation der klassischen Gattungen dar. Die Künstler um die vorige Jahrhundertwende waren auf der Suche nach einer ihnen eigenen Wahrheit der Malerei, die sie mitunter auch in der Darstellung einer Obstschale auf dem Tisch fanden.

 

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Henri Matisse, Früchte und Bronze, 1910.
Öl auf Leinwand, 91 x 118,3 cm.
Staatliches Museum für Bildende Künst A. S. Puschkin, Moskau.

 

Finden Sie die Werke des jungen, „wilden“ Matisse noch bis zum 17. März 2013 im Metropolitan Museum of Art in New York in der Ausstellung Matisse – In Search of True Painting und begleiten Sie ihn auf der Suche nach der wahren Malerei. Alternativ und zum Nachschlagen bietet der Verlag Parkstone International mit dem Titel Stillleben oder Meisterwerke der Blumenmalerei, beide von Victoria Charles, einen Überblick über die Geschichte des Stilllebens.

Friday, January 25, 2013

Kunst ist relativ

Kunst zu definieren, ist seit dem beginnenden 20. Jahrhundert schwierig und wird vor allem in der zeitgenössischen Kunst, bei der es nicht nur um verschiedene Ausdrucksformen, sondern vielmehr um Gratwanderungen geht, nahezu unmöglich. Die Frage nach Kunst oder Abfall führte schon das eine oder andere Mal dazu, dass eine übereifrige Putzfrau ein Kunstwerk beseitigte. Die Frage nach Kunst oder Selbstverstümmelung in der Performance löst immer wieder nicht ganz unverständliche Schockierung im Publikum aus, die Frage nach Kunst oder Pornografie erhitzt die Gemüter – erfreut und entsetzt.

Wenn erotische Novellen wie Fanny Hill oder Thérèse Philosophe nicht zensiert und ihre Illustrationen nicht verboten wurden, betrachtete man sie doch immer mit Argwohn – auch, wenn sie den künstlerischen Anspruch erfüllen. Doch wo hört Kunst auf und fängt Pornografie an? Der nackte Körper und die sexuelle Interaktion sind seit dem Mittelalter fester Bestandteil des thematischen Repertoires vieler Künstler. Dennoch werden viele von ihnen, darunter auch Paul Avril, Jeff Koons oder Egon Schiele, immer wieder als Pornografen (zu beachten ist die allgemein anerkannte negative Konnotation dieses Wortes) und nicht als Künstler bezeichnet.

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Egon Schiele, Sitzende Frau mit hochgezogenem Knie, 1917.
Kohle, Aquarell, Gouache, 46 x 30,5 cm.
Národní galerie, Prag.


Doch worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen künstlerisch wertvollen erotischen Werken und der Pornografie? Ist es die Linienführung, die romantische Utopie oder groteske Verzerrung erzeugt und damit dem Bild einen „Interpretationsansatz“ liefert? Ist es der Name des Malers, der sich schon als Künstler profiliert hat und ist deshalb alles, was unter seiner Hand entsteht, Kunst? Kunst ist relativ! Die schmalen Gratwanderungen zwischen Kunst und Abfall, Selbstzerstörung oder Pornografie sind für das gemeine Publikum heute kaum noch zu unterscheiden, wenn nicht jemand das Objekt, das Werk, die Installation oder die Performance zum Kunstwerk deklariert und es somit als solches kenntlich macht.

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Egon Schiele, Selbstporträt mit gestreiftem Hemd, 1910.
Bleistift, Aquarell, Gouache , 44,3 x 30,6 cm.
Leopold Museum, Wien.


Entdecken Sie im Leopoldmuseum Wien in der Ausstellung Die Metamorphosen des Egon Schiele einen Künstler, der sich als Expressionist auf verschiedene Gradwanderungen begeben hat und entscheiden Sie selbst, ob Sie Kunst oder Pornografie vor sich haben, wenn Sie die Titel zu Egon Schiele des Verlages Parkstone International durchblättern.

Thursday, January 10, 2013

Die Kunst zu verführen …

... oder von der Kunst verführt! In der zwischenmenschlichen Interaktion finden sich immer wieder Gelegenheiten, zu werben, umworben zu werden oder sich gegenseitig zu verführen. Und da es in der heutigen Zeit vermeintlich immer schwieriger wird, im Alltag, im Beruf oder online einen passenden Partner kennenzulernen, gibt es mittlerweile zusätzlich zum Knigge, von dem jeder mal gehört haben sollte, auch noch diverse Bücher und Kurse, die einem das „richtige Flirten“ beibringen wollen. Angeblich sollen sich damit zumindest die Chancen erhöhen, die Gelegenheit zur Verführung zu bekommen.

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Jean-Auguste-Dominique Ingres, Die Badende, auch: Die Valpicon Badende, 1808.
Öl auf Leinwand, 146 x 97 cm.
Musée du Louvre, Paris.


Die Sache mit dem Verführen ist wirklich nicht ganz einfach und hat auch so gar nichts mit dem jugendsprachlichen „Abschleppen“ zu tun, auch wenn das so manch einer immer wieder miteinander verwechselt. Verführung ist Kunst, und zwar eine Kunst, deren Techniken man in verschiedenen Seminaren abhängig vom eigenen Talent erlernen oder deren man sich, allein auf die eigene Intuition vertrauend, hingeben kann. Doch sollte man immer bedenken, dass die Technik der eigenen Persönlichkeit bedarf, denn sonst ist jeder Versuch der Werbung und der Verführung zum Scheitern verurteilt. Betrachten wir nur einmal die großen Künstler, die ihre Technik gelernt haben – sie wären ohne ihre Inspiration, Intuition und Kreativität niemals zu den großen Meistern geworden, die sie heute für uns sind.

Und dennoch lobe ich mir in diesem Zusammenhang die Autodidakten unter den Künstlern, die den Betrachter mit ihrer Kunst verführen, ohne eine technische Ausbildung genossen zu haben. Wozu also Seminare besuchen, wenn das Vertrauen in die eigene Persönlichkeit gekoppelt mit ein wenig Kreativität uns selbst zum Künstler macht und wir die Kunst der Verführung nur noch in einem uns entsprechenden Medium zum Ausdruck bringen müssen?

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Tizian (Tiziano Vecellio), Der Raub der Europa, 1559-1562.
Öl auf Leinwand, 185 x 205 cm.
Isabella Stewart Gardner Museum, Boston.


Im Fachjargon spricht man von Rezeption, in der National Gallery London bis zum 20. Januar von Verführung. Nutzen Sie die Gelegenheit und lernen Sie die Kunst des Verführens kennen, indem Sie sich von der Kunst und ihren Rezipienten in der Ausstellung Seduced by Art verführen lassen. Verfolgen Sie die Geschichte der Fotografie und entdecken Sie neu interpretierte alte Meisterwerke in zeitgenössischen Fotoinstallationen. Alternativ bietet der Verlag Parkstone International mit Die erotische Fotografie oder Man Ray nicht nur verschiedene Titel zur Lichtbildkunst, sondern auch eine große Auswahl Alter Meister und ihrer Meisterwerke auf http://ebook-gallery.com/de.

Friday, December 14, 2012

Rodin, das Fleisch, der Marmor.

Dieser Titel weckt in mir das spontane und immense Verlangen nach einem gut gebratenem Beefsteak, außen scharf angebraten, innen zart rosa und in der Mitte noch etwas blutig, das ganze mit Salz und Pfeffer gewürzt – ein Genuss. Viele Vegetarier und Veganer, die meinen größten Respekt, aber auch mein Unverständnis haben, werden auf dieses Verlangen eher mit Abscheu oder Ekel reagieren.

Fleisch ist generell ein viel erforschtes und heiß diskutiertes Thema. Isst man es oder isst man es nicht? Und wenn ja, ist zu viel rotes Fleisch ungesund? Wie kann ich mich ausgeglichen ernähren. Aber die entscheidende und meistumstrittene Frage überhaupt: Wie bereite ich ein gutes Stück Fleisch zu? Und wie unterscheide ich im Vorfeld ein gutes von einem weniger guten Stück Fleisch? Mehr oder weniger hilfreiche Tipps und Tricks versuchen uns viele Zeitschriften, Kochsendungen und Bücher zu vermitteln und so ist das Beef-Magazin gar nicht mal verkehrt und vielleicht auch gerade deshalb interessant, weil es seinen ungebrochenen Anspruch auf Männlichkeit bewahrt. Und irgendwie haben die Redakteure damit ja auch recht: Fleisch ist männlich – und die Grillsaison beginnt jedes Jahr am 01. Januar und endet am 31. Dezember.

Aber Fleisch ist ebenso sexy. Ja, Fleisch ist sexy, weil ein pures Genussmittel. Im übertragenen Sinne hat sich hieraus ja auch die Fleischeslust ergeben, die Lust auf das Fleisch des anderen Geschlechts – Sex, Erotik und Leidenschaft sind in dieser Lust inbegriffen. Ob Rodin nun ein Steakliebhaber war, ist schwer zu beurteilen, jedoch lag ihm die Darstellung der Fleischeslust: der Lust am Schauen, der Begierde des Fleisches für das Fleisch. Nackte erotische Körper scheinen aus dem Marmor zu entspringen, entstehen aus ihm, zeigen Leidenschaft in der Bewegung, im Moment des Kusses, in der Umarmung.

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Auguste Rodin, Danaid, um 1889.
Marmor, 36 x 71 x 53 cm.
Musée Rodin, Paris.


 

Ob Sie nun Fleischliebhaber, Vegetarier, Veganer oder Frutarier sind, genießen Sie die Skulpturen Rodins – das dem Marmor entwachsende Fleisch – noch bis zum 1. September 2013 im Musée Rodin in der Ausstellung Rodin, la chair, le marbre oder holen Sie sich die Leidenschaft dieses Bildhauers in hochauflösenden Abbildungen mit den verschiedenen Formaten des Verlages Parkstone International nach Hause und entdecken Sie diesen einzigartigen Künstler durch die Augen des großen Dichters Rainer Maria Rilke.

Tuesday, December 4, 2012

Caravaggio und der Caravaggismus

Die meisten erfolgreichen künstlerischen Werdegänge sind geprägt von Gönnern, Kennern, Ausbildung, Rezeption, Kreativität und Auftraggebern. Dies gilt auch für eine Gruppe von Künstlern, die es zu Beginn des 17. Jahrhunderts, traditionell der Ausbildung entsprechend, nach Rom zog, und damit in eine Stadt, die zu jener Zeit von einem tendenziell normzerstörenden Künstler geprägt war – Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610). Mit seinen fesselnden Kompositionen, einem radikalen Naturalismus und einer zuvor nicht gekannten Lichtregie entwickelt er einen ihm eigenen Stil. Figuren werden mithilfe der schlaglichtartigen Beleuchtung modelliert, der verdunkelte Hintergrund wird undefinierbar und so die Szene dramatisch zugespitzt.

Für diese Gruppe nach Rom drängender junger Künstler aus Utrecht, unter ihnen Dirck van Baburen (1595-1624), Hendrick ter Brugghen (1588-1629) und Gerrit van Honthorst (1592-1656), sollte Caravaggio zum künstlerischen Vorbild avancieren. In Rom fanden sie seine Bilder nicht nur in den Kirchen und Palazzi, sondern auch bei ihren eigenen Auftraggebern wie etwa Vincenzo Giustiniani (1564-1637).

Die Utrechter Caravaggisten, wie sie sich, zurück in den Niederlanden, ab 1620 nannten, schufen vor allem Historiengemälde und zahlreiche Genrebilder, in denen sie mit Vorliebe Dirnen, Musikanten und Wirtshausszenen darstellten. Das Schlaglicht Caravaggios erhielt Einzug in die traditionellen niederländischen Bildthemen, die caravaggeske Beleuchtung wurde durch künstliche Lichtquellen wie brennende Kerzen ergänzt.

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Hendrick ter Brugghen, Junger Mann, seine Pfeife mit einer Kerze anzündend, ca. 1625.
Öl auf Leinwand, 67,6 x 55 cm.
István-Dobó-Museum, Eger.


Während Michelangelo Merisi da Caravaggio den entscheidenden und unverkennbarsten Einfluss auf diese jungen Maler hatte, so gab es doch zahlreiche europäische Künstler, die Caravaggio rezipierten. In Italien gehörten Bartolomeo Manfredi (1580-1622), Orazio und Artemisia Gentileschi (Vater (1563-1639) und Tochter, (1593-1653)) und Carlo Saraceni (1570-1620) zu den bedeutenden Vertretern, die Lichtregie und Realismus der Modelle übernahmen, in Frankreich sollten vor allem Simon Vouet (1590-1649), Valentin Boulogne (1591-1632) und Georges de La Tour (1593-1652) den Caravaggismus prägen.

Lassen Sie sich von einem der großartigsten und künstlerisch einflussreichsten Maler der Kunstgeschichte und seinen Rezipienten noch bis zum 10. Februar 2013 in der Ausstellung Bodies and Shadows: Caravaggio and His Legacy im LACMA Los Angeles fesseln, oder entdecken Sie den Meister von Licht und Schatten und seine dramatischen Kompositionen in den verschiedenen Formaten, Best Of, Mega Square und Temporis, des Verlages Parkstone International.

Tuesday, November 27, 2012

„Hopfen und Malz – Gott erhalt‘s!“

Es geht doch eigentlich nichts über ein kühles, frisch gezapftes Bier an einem heißen Sommertag an der Elbe, im Biergarten oder bei Freunden. Und während bei uns Pils und Hefeweizen ganz besonders beliebt sind, trink man im Pub im schönen Irland schon eher ein Lager, Irish red ale oder das traditionelle Guinness. Doch was hat diese Traditionsbrauerei mit dem Niederländer Rembrandt van Rijn (1606-1669), dem Engländer Thomas Gainsborough (1727-1788) und dem Flamen Anthonis van Dyck (1599-1641) gemeinsam? Edward Cecil Guinness, 1st Earl of Iveagh (1847–1927), der zwar nicht der Gründer, aber der Erbe des Familienunternehmens und nicht nur im Bierbrauen recht erfolgreich war.

Mit seinen hauptsächlich in den Jahren 1887 bis 1891 angekauften Werken englischer, flämischer und niederländischer Künstler des 17. bis 19. Jahrhunderts bestimmte er neben den Bankiers Rothschild, John Pierpont Morgan (1837-1913) und Henry Clay Frick (1849-1919) den Kunstmarkt und -geschmack seiner Zeit. Die für die damalige englische Aristokratie typische Kunstsammlung umfasst zahlreiche Porträts von Rembrandt bis Gainsborough sowie Seestücke von William Turner (1775-1851) und Aelbert Jacobszoon Cuyp (1620-1691). Zur Unterbringung seiner umfangreichen Sammlung von Landschaften und Porträts erwarb Edward Cecil Guinness 1925 Kenwood House in London, welches kurz nach seinem Tod 1927 der Öffentlichkeit als Museum zugänglich gemacht wurde.

 


Rembrandt van Rijn, Selbstporträt, ca. 1665.
Öl auf Leinwand, 114,3 x 94 cm.
English Heritage, Iveagh Bequest, Kenwood House.


 

Im Zusammenhang weitreichender Renovierungsmaßnahmen am Kenwood House sind nun 48 Werke einer der bedeutensten englischen Sammlungen, dem Iveagh Bequest, auf Amerika-Reise. Die Ausstellung Rembrandt, van Dyck, Gainsborough: The Treasures of Kenwood House, London ist noch bis zum 13. Januar 2013 im Milwaukee Art Museum zu sehen, bevor sie dann weiter ins Seattle Art Museum und zum Arkansas Art Center zieht.

Entdecken Sie alternativ und zusammen mit Victoria Charles und Emile Michel die Meisterwerke van Dycks und Rembrandts mit den Büchern des Verlages Parkstone International.

 

Wednesday, November 21, 2012

Kontroversen bei Goya

In der Kunstgeschichte sind es vor allem die kontroversen Diskussionen, die diese mitunter als verstaubt geltende Wissenschaft immer wieder spannend werden lassen. Neben Urheberschaft und Interpretationsvarianten verleiten auch sozialkritische Werke immer zu umfangreichen Debatten.

Ein solches sozialkritisches Werk ist Los Caprichos, Druckgrafiken aus den Jahren 1793 bis 1799, das sich mit den Ehesitten seiner Zeit kritisch auseinandersetzt, das die Erziehung, die Prostitution und den Aberglauben thematisiert und nicht nur den klerikalen Machtmissbrauch mit Hilfe der Inquisition, sondern auch den Adel und die Regierung gezielt angreift. In 80 Blättern entwirft Francisco de Goya (1746-1828) Sittenbilder seiner Zeit, die er nach nur wenigen Tagen wieder aus dem Verkauf zurückzieht, weil er selbst die Inquisition fürchten muss.

 


Francisco de Goya, El sueño de la razon produce monstruos (Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer), in Los Caprichos, Blatt 43, 1797-1798.
Radierung und Aquatinta, 21,6 x 15,2 cm.


 

Das Blatt 43 zog seither das besondere Interesse der Kunstgeschichte auf sich. Es leitet den Letzten der drei von Goya gewählten Themenkreise, den Aberglauben, ein. Wie auf vielen weiteren Grafiken dieser Reihe findet sich auch hier ein kurzer Kommentar: El sueño de la razón produce monstruos.

Und genau diese Zeile ist für ein immer noch anhaltendes Interpretationsaufgebot der Wissenschaft verantwortlich. Schläft die Vernunft oder träumt sie? Sprachgeschichtlich hat el sueño sowohl die eine als auch die andere Bedeutung, die hier jedoch den entscheidenden Unterschied macht. Denn ob die „Monstren“ erst in Erscheinung treten, wenn die Vernunft schläft, oder ob sie selbst ein Produkt der träumenden Vernunft sind, ist für die Interpretation des Werkes im Kontext der Gesellschaftskritik zu Zeiten der Aufklärung, in der die Vernunft triumphierend den Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit befreite, essenziell.

Und genau diese Ambivalenz der Wortbedeutung lässt Liebhaber und Kunsthistoriker immer wieder in heiße Debatten über die Intention des Künstlers verfallen. Ein Kommentar Goyas zum Blatt selbst wiederum scheint die Auflösung des Konfliktes zu offenbaren: „Die Fantasie, verlassen von der Vernunft, erzeugt unmögliche Ungeheuer; vereint mit ihr ist sie die Mutter der Künste und Ursprung der Wunder.“ Oder ist auch hier nicht nur das künstlerische Schaffen selbst gemeint?

 

Weniger kontrovers, aber ebenso anregend ist die aktuelle Ausstellung Renaissance to Goya: print and drawings from Spain im British Museum in London. Verfolgen Sie hier die Geschichte der spanischen Zeichnung und Druckgrafik oder begleiten Sie zusammen mit Sarah Carr-Gomm Francisco Goya auf seiner Lebensreise vom Hofmaler zum Grafiker und entdecken Sie seine Werke mit Jp. A. Calosses‘ Goya aus dem Verlag Parkstone-International.

 

Tuesday, November 13, 2012

Barock oder Moderne – der Versuch einer Definition?

Die Kunstgeschichte hat immer versucht, jeder Epoche und jedem Stil einen Namen und eine Definition zu geben. Jahrtausende, Jahrhunderte, Jahrzehnte – aus Epochen wurden „Strömungen“. Historisch-politische Umschwünge hatten zumeist auch eine Richtungsänderung in der Kunst zur Folge, und so brachte das 17. Jahrhundert, geprägt vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und dem Absolutismus, die Kunst des Barock hervor, derer sich später auch die Aufklärung bedienen sollte. Überschwängliche, runde und ausladende Formen, ein Übermaß an Schmuck, dramatische Lichtregie, Dynamik, Symmetrie, Repräsentation und das Bewusstsein der Vergänglichkeit definieren im Allgemeinen die Architektur, Skulptur und Malerei des Barock. Das Gesamtkunstwerk prägte Profan- und Sakralbauten, ekstatische Bewegungen die Skulptur und Theatralik die Malerei. Und wer kennt sie nicht, das Schloss in Versailles, Gian Lorenzo Berninis Apollo und Daphne (1622-1625) oder Rembrandt van Rijns Nachtwache (1642)?

 


Rembrandt van Rijn, Die Kompanie des Hauptmanns Frans Banning Cocq oder Die Nachtwache, 1642.
Öl auf Leinwand, 379,5 × 453,5 cm.
Rijksmuseum, Amsterdam.


 

Für die Moderne scheint eine Definition fast unmöglich. Das vergangene Jahrhundert hat zwar die Kunst immer wieder neu erfinden wollen und dies mehr oder weniger auch getan, aber „Strömungen“ waren nicht mehr bestimmbar und auch das moderne Kunstwerk musste als Kunstwerk vom amerikanischen Philosophen und Kunstkritiker Arthur C. Danto (*1924) in seiner Verklärung des Gewöhnlichen 1984 erst wieder identifiziert und definiert werden.

Erstaunlich ist es dann aber doch, dass bei soviel Innovation und der Frage um die Berechtigung eines Gegenstandes als Kunstwerk die definierenden Eigenschaften einer längst vergangenen Epoche offenbar wieder Anwendung finden. Bei dem Gedanken an überschwängliche Formen, Dynamik, Ekstase und Theatralik sollten nicht nur Jeff Koons (*1955), Frank Stella (*1936) oder der Architekt Frank Gehry (*1929) Assoziationen hervorrufen.

 


Jeff Koons, St. John the Baptist, 1988.
Porzellan, 143,5 x 76,2 x 62,2 cm.
Seattle Art Museum, Seattle.


 

Trotz neuer Formensprache und künstlerischer Intention scheint die Rezeption doch wieder einmal die wirkliche Konstante in der Kunstwissenschaft zu sein. Und so zeigt die Art Gallery of Alberta noch bis zum 6. Januar 2013 in der Ausstellung Misled by Nature: Contemporary Art and the Baroque, zeitgenössische Künstler in ihrer Auseinandersetzung mit der Kunst und den Künstlern des Barock.

Wenn Sie selbst mehr über die architektonischen Gesamtkunstwerke, die Meisterleistungen der Skulptur und Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts erfahren möchten, erhalten Sie mit dem Titel Baroque Art von Victoria Charles und Klaus H. Carl des Verlages Parkstone-International einen umfangreichen ersten Überblick.

 

 

Thursday, November 8, 2012

Die Geschichte zum Bild

Ein gutes Buch zu lesen, sich in seinen Charakteren zu verlieren, ihnen gedanklich ein physisches Äußeres zu verleihen, Emotionen nachzuvollziehen und sich mit ihnen zu identifizieren, bedeutet, einen Moment der Kurzweil genießen.

Doch was uns bei der Metamorphose der Geschichte in Bilder so einfach fällt, scheint umgekehrt mitunter abwegig. Gemälde und Skulpturen werden betrachtet, für schön befunden oder auch nicht, analysiert und interpretiert, die technische Meisterleistung wird gelobt und Details werden bewundert. Doch in all der mehr oder weniger wissenschaftlichen Auseinandersetzung scheint es absurd, die Kurzweil zu genießen, zum Dargestellten auch eine Geschichte zu erfinden, das Bild aus seiner singulären Stellung als plane kolorierte Leinwand in die Komplexität der Künste und Imagination zu überführen. Wir können ein Kunstwerk analysieren, den Goldenen Schnitt finden oder vielleicht sogar die Intention des Künstlers entschlüsseln, aber wir könnten uns ebenso gut die Zeit nehmen, dieses Werk zu betrachten und ihm eine Geschichte zu geben.

Jan Vermeer (1632-1675) und Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) sowie viele andere Künstler verleiten geradezu dazu, sich zu fragen, was Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring (um 1665; Den Haag, Königliche Gemäldegalerie Mauritshuis) dazu bewogen hat, sich noch einmal umzuschauen oder ob sich Renoirs Mädchen im Tanz in Bougival (1883; Boston, Museum of Fine Arts) doch noch küssen lassen wird.

Einer der wohl geeignetesten Künstler für ein solches „Experiment“ ist Edward Hopper. Seine von den Kritikern häufig als Entfremdung des Individuums in der Einsamkeit der Großstadtmetropole charakterisierten Darstellungen bieten der Fantasie aufgrund der minimalistisch ausgestatteten Interieurs, der übersteigerten Lichtregie und der Momentaufnahmen der Figuren einen weiten Spielraum.

 


Edward Hopper, Western Motel, 1957.
Öl auf Leinwand, 77,8 x 128,3 cm.
Yale University Art Gallery, Bequest of Stephen Carlton Clark, B.A. 1903.


 

Die Dame im Western Motel beispielsweise schaut erwartungsvoll in die Richtung des Betrachters, ihr Koffer ist bereits gepackt, das Auto vorgefahren. Wird sie sich von dem Mann, der nichtsahnend auf dem Zimmer noch im Bett liegt und schläft, verabschieden oder wird sie dem Fahrer des grünen Wagens ihr Gepäck überlassen und wieder in ihren Alltag, in ein Großraumbüro nach New York zurückkehren?

 


Edward Hopper, House by the Railroad, 1925.
Öl auf Leinwand, 61 x 73,7 cm.
The Museum of Modern Art, New York.


 

Oder was verbirgt sich hinter den halb geöffneten Fensterläden der ersten Etage von Hoppers House by the Railroad? Hitchcock nahm es als Inspiration für seinen Film Psycho.

Schlagen Sie ein Buch auf, fangen Sie an zu lesen und lassen Sie sich in die Geschichte um die Helden und Heldinnen der Erzählung entführen. Zeichnen Sie in ihrem Kopf die Charaktere nach, erwecken Sie sie zum Leben, geben Sie ihnen in Ihren Gedanken Persönlichkeit – aber geben Sie auch den Persönlichkeiten auf der Leinwand Ihre Geschichte.

Verfolgen Sie noch bis zum 28. Januar 2013 im Grand Palais in Paris die Ausstellung Edward Hopper mit all den interessanten wissenschaftlichen Aspekten, die seine Kunst zu bieten hat oder genießen Sie die Kurzweil, wenn Sie zu Hause Ihrer Fantasie mit dem Buch Edward Hopper von Gerry Souter aus dem Verlag Parkstone International freien Lauf lassen.

 

 

Die Metamorphose der Skulptur

Ein Kunsthistoriker muss in seinem Leben mindestens zwei Bücher gelesen haben, die Bibel und Ovids Metamorphosen. So oder so ähnlich begann einer meiner Professoren ein Seminar zu den Göttern, Helden, Nymphen und Verwandlungen, denen man in den 15 Büchern der Metamorphosen begegnet. Und es ist doch immer wieder erstaunlich, wie uns diese Geschichten über Jungfrauen verfolgende liebestolle Jünglinge, einen triebgesteuerten Göttervater und seine eifersüchtige Ehefrau, die schöne Mutter des Liebesgottes und den Helden am Scheideweg nicht nur die Welt erklären, sondern uns auch einen wunderbaren Zugang zu den Meisterwerken der Kunstgeschichte gewähren.

Nicht nur in der Malerei, sondern auch in der Bildhauerei ist das Wissen über die griechischen und römischen Mythen in der Auseinandersetzung mit den Kunstwerken essenziell. So auch bei der Betrachtung der Skulpturen Berninis. Wie kaum einem anderen gelingt es ihm, die mythischen Szenen in Marmor zu bannen. Die Dynamik der Verfolgung Daphnes, die zum Schutz vor Apoll von ihrem Vater, dem Flussgott Peneios, in einen Lorbeer verwandelt wird, bannt Bernini in einen einzelnen Moment – der Moment, in dem Apoll Daphne erreicht und ihre Verwandlung beginnt.


Gian Lorenzo Bernini, Apollo und Daphne, 1622-1625.
Marmor, Höhe: 243 cm.
Galleria Borghese, Rom.


Doch kann man diese technische Meisterleistung der Bildhauerei trotz ihrer Anmut und Einzigartigkeit nur mit dem Wissen über die Geschichte von Apoll und Daphne verstehen. Um die Erhabenheit dieser barocken Skulptur in ihrer ganzen Herrlichkeit genießen zu können, musste ich die Metamorphosen lesen und bin seitdem immer wieder fasziniert davon, wie sich vor meinen Augen ein Kunstwerk in eine Geschichte verwandelt.

Den Wandel von der Skizze zum Modell und schließlich zur vollendeten Skulptur Berninis können Sie noch bis zum 6. Januar 2013 im Metropolitan Museum of Art in der Ausstellung Bernini – Sculpting in Clay nachverfolgen. Lassen Sie sich entweder in New York in die Welt der Verwandlung innerhalb eines Entstehungsprozesses entführen oder verfolgen Sie die Geschichte der Skulptur von der Antike über die Renaissance und das Barock bis hin zur Moderne mit dem Buch Skulpturen des Verlages Parkstone-International.

Tuesday, October 9, 2012

Zwischen Realismus und Impressionismus, zwischen privatem undöffentlichem Raum

Der französische Impressionismus hat viele große Namen hervorgebracht: Bazille, Cézanne, Degas, Gauguin, Manet, Monet, Sisley, Morisot, Pizarro und Renoir, um nur einige zu nennen. Sie alle waren Impressionisten, strebten nach einer Erneuerung der Kunst, waren der Freilichtmalerei verpflichtet und trotz gleicher Ziele war doch jeder für sich einzigartig. Ergänzen Sie der (Un-)Vollständigkeit halber diese Aufzählung noch um einen weiteren Künstler, der in der deutschen Kunstgeschichte erst in den letzten Jahren wirklich Beachtung fand: Gustave Caillebotte (1848-1894).

Der Künstler, der bisher noch mehr Bedeutung als Mäzen und Sammler erlangte und in enger Freundschaft zu Monet, Renoir und Sisley stand, wurde zum ersten Mal 1994 in einer größeren Ausstellung in Paris gewürdigt. Sein Werk ist ohne Zweifel impressionistisch. Doch ist es nicht nur seine Themenwahl, es sind nicht nur die alltäglichen Szenen, die unwillkürlich die Assoziation zum Realismus implizieren. Es ist auch seine fotografische Perspektive, mit der er das Leben in den Cafés, in den Straßen und auf den Pariser Boulevards auf die Leinwand bannt.

Den Stadtansichten stehen Porträts, Interieurs und Landschaften gegenüber, die ebenso zwischen fotografischem Realismus und malerischem Impressionismus balancieren. Der private Raum findet gleichermaßen zur Darstellung wie der öffentliche Raum – und immer wahrt Caillebotte eine gewisse hinreißende Intimität, in der wir uns gern verlieren.

 


Rue de Paris, temps de pluie
(Paris, an einem Regentag), 1877.
Öl auf Leinwand, 212,2 x 276,2 cm.
Art Institute, Chicago.


 

Caillebotte: Ein Künstler zwischen Realismus und Impressionismus oder eher zwischen Fotografie und Malerei? Die SCHIRN Kunsthalle Frankfurt am Main stellt ab dem 18. Oktober unter dem Titel Gustave Caillebotte. Ein Impressionist und die Fotografieden lange von der Kunstgeschichte vernachlässigten Künstler aus.

Sollten Sie keine Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung haben, können Sie aber alternativ Caillebottes künstlerischen Werdegang auch von zu Haus aus nachverfolgen. Grundlage dafür kann etwa der vom Verlag Parkstone-International aufgelegte Titel Caillebotte mit seinen vielen Detailansichten im handlichen Druckformat sein.

Caillebotte

Man muss auch in dickleibigen oder vielbändigen Lexika lange nach Informationen über Gustave Caillebotte (1848-1894) suchen, bevor man meistens recht dürftige Auskünfte erhält. Am ehesten findet man sie in den zeitgenössischen Exemplaren der Zeitschrift Le Yacht, die über den begeisterten Segler und erfahrenen Bootsbauer, der auf die über zwanzig von ihm entworfenen und gebauten Yachten zu Recht stolz war, berichten. Anfangs segelte er auf der Seine, später aber von seinem normannischen Domizil aus sowie von Le Havre oder Trouville, dem Nachbarort des damals recht mondänen Badeortes Deauville, als erfolgreicher Regattateilnehmer vor der Küste der Normandie.

Sein Selbstporträt (etwa 1892; Musée d’Orsay, Paris) zeigt einen selbstbewussten, wettergewohnten Mittvierziger, weist aber nicht darauf hin, dass er ursprünglich – so wie manch anderer Maler auch – Jura studiert und dieses Studium auch erfolgreich abgeschlossen hat. Neben der Schule, dem späteren Studium und der anschließenden Teilnahme am Preußisch-Französischen Krieg von 1870/1871 hatte sich Caillebotte schon recht frühzeitig dem Zeichnen zugewandt und begann auch bald, seine künstlerischen Ideen auf Ölgemälde zu übertragen. Eines seiner frühesten bekannten Bilder, in dem das zeichnerische Element noch recht deutlich hervortritt, stammt von seiner Italienreise und zeigt eine Pferdekutsche auf sandiger Landstraße mit dem Vesuv im Hintergrund (Straße bei Neapel; um 1872; Privatsammlung).

Mit seiner sportlichen Leidenschaft war das Sammeln von Kunstwerken sehr eng verbunden, und durch diese Begeisterung war der gutsituierte Caillebotte mit den seinerzeit heftig umstrittenen, von ihm stark geförderten Impressionisten in Berührung gekommen und zu ihrem Mäzen und Organisator ihrer Ausstellungen geworden. Er schloss nicht nur lebenslange Freundschaften mit Claude Monet (1840-1926), Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) und Camille Pissarro (1830-1903), sondern näherte sich im Lauf der Zeit auch deren Malweise an. So weisen seine Werke einen realistisch-impressionistischen, gelegentlich nahezu fotografischen Stil auf. In seinen Themen findet sich neben Porträts, Genre-und Landschaftsbildern häufig und wie selbstverständlich das ihm vertraute Element Wasser – Flüsse, Seen, das Meer. So etwa in Segelboote bei Argenteuil (um 1888, Paris, Musée du Louvre) oder in seinem farbenprächtigen Ruderer auf der Yerres (1877; Privatbesitz).

Seine Leidenschaft für die Malerei spiegelt sein Werk. Es umfasst trotz seines kurzen Lebens etwa 500 Arbeiten, die er eigentlich alle dem Staat hinterlassen wollte, der aber einen Großteil davon ablehnte und nur einige wenige übernahm, deren Großteil sich mittlerweile und üblicherweise im Musée d’Orsay befindet. Ab dem 18. Oktober 2012 unter dem Titel Gustave Caillebotte. Ein Impressionist und die Fotografie sind seine Werke aber in der SCHIRN Kunsthalle in Frankfurt am Main zu sehen.

Sollten Sie keine Gelegenheit zum Besuch dieser Ausstellung haben, können Sie alternativ Caillebottes künstlerischen Werdegang auch von zu Hause aus nachverfolgen. Grundlage dafür kann etwa der vom Verlag Parkstone-International aufgelegte Titel Caillebotte mit seinen vielen Detailansichten im handlichen Druckformat sein.

Thursday, October 4, 2012

Attr. Rubensfrau, 42/160/90, NR, O.f.I. sucht jung gebliebenen Endvierziger 24/7, ... AG, BmB.

So oder so ähnlich lesen sich zahlreiche Kontaktanzeigen in der lokalen Presse oder dem Internet. Und auf der Suche nach einem zeitweiligen Partner oder gar einem fürs Leben sind wir erst einmal herausgefordert, die zahlreichen Informationen zu dechiffrieren, die uns dieser Einzeiler gegeben hat.

Neben all diesen Abkürzungen, Zahlenkombinationen und der Frage „Was zum Kuckuck ist ein jung gebliebener Endvierziger?“ findet sich auch eine recht poetische Selbstbeschreibung – Rubensfrau. Die „Rubensfrau“ als Synonym für eine gut gebaute, füllige Frau mit deutlichen weiblichen Rundungen und einem üppigen Hinterteil – eine Frau halt, die „etwas zum Anfassen“ hat, würde vielleicht der ein oder andere männliche Zeitgenosse sagen.

Dieser Peter Paul Rubens (1577-1640) war übrigens ein flämischer Maler des Barock, in dessen Werken dieses Frauenbild zum Schönheitsideal avancierte. (Halb-)nackte Frauen finden sich in mythologischen oder historischen Szenerien in Frontal- oder Rückenansicht recht häufig und sind dabei immer ein wenig fülliger. Damals ein Schönheitsideal, weicht das Bild der Frau in den heutigen Medien stark davon ab – schlank ist schön – heißt es da. Dennoch finden wir in den Kleinanzeigen unserer medialen Welt immer wieder Frauen, die auf poetische Art und Weise vermitteln, dass sie zwar nicht dem „Ideal“ entsprechen, aber dennoch schön sind. Und da Schönheit irgendwie immer im Auge des Betrachters liegt ...

 


Peter Paul Rubens, Venus vor dem Spiegel, um 1614.
Öl auf Holz, 124 x 98 cm.
Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz – Wien.


 

Wenn Sie nun die originalen „Rubensfrauen“ in ihren besten Jahren blank und bloß und sich lasziv auf der Leinwand rekeln sehen wollen und auch gespannt darauf sind, wie sich diese in einen politisch diplomatischen Kontext einfügen, dann bietet Ihnen das renommierte Von der Heydt-Museum in Wuppertal zwischen dem 16. Oktober 2012 und dem 28. Februar 2013 mit der Ausstellung Peter Paul Rubens die Gelegenheit dazu.

Begleitend oder alternativ können Sie Ihre Vorstellungen über die „Rubensfrauen“ Bmb (Bitte mit Bild) im handlichen Format mit dem hervorragend bebilderten Titel Rubens von Maria Varshavskaya und Xenia Egorova von Parkstone-International erweitern.


 

Thursday, September 27, 2012

Die Sonderbundausstellung – erneut in Köln

Haben Sie schon einmal vor einem Kunstwerk gestanden und waren innerlich wirklich bewegt? Vielleicht, weil Sie die Geschichte zum Werk oder die künstlerische Intention kannten, weil Sie von der Technik überwältigt waren oder einfach nur, weil es in dem Moment, in dem Sie es betrachteten, nahezu zusammenhanglos alles in Ihnen aufwühlte, Sie unglaublich beeindruckte? Dieses Gefühl ist überwältigend und leider auch viel zu selten. Es gibt viele Meisterwerke der Kunst, aber nur wenige, die uns persönlich anregen, über ein „wunderschön“ hinausgehen. Klitzekleine Synapsen in unserem Körper reagieren auf unsere Sinneseindrücke: tasten, schmecken, riechen, hören und SEHEN.

Jede Epoche hat Kunstwerke hervorgebracht, die die Fähigkeit besitzen, zu bewegen. Versuchen Sie es doch mal mit einer Zeit, in der sich selbst viel bewegt hat: vom Lösen von der akademischen Malerei über die Freilichtmalerei hin zur Auflösung der Form mittels der Farbe.

1912 – Das Jahr der großen Sonderbundausstellung in Köln! Die großartigen Künstler der Jahrhundertwende und der folgenden Generationen, vom Impressionismus zum Expressionismus, alle nebeneinander. Cézanne, van Gogh, Munch, Picasso, die Künstler der Brücke, des Blauen Reiter und viele, viele mehr. Rund 650 Werke, darunter auch Skulpturen Lembrucks, wurden in einer internationalen Ausstellung präsentiert, die zum ersten Mal die europäischen Kunstbewegungen der Zeit zusammenfasste und die Zeitgenossen bewegte.


Edvard Munch, Winter, Kragero, 1912.
Öl auf Leinwand, 131,5 x 131 cm.
Munch Museum, Oslo.


2012 – Das Jahr der Retrospektive! Die Möglichkeit, zumindest eine Auswahl der sich heute größtenteils in Privatsammlungen befindlichen Kunstwerke zu betrachten, sich überwältigen zu lassen, ist einmalig. Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln gibt mit der Retrospektive 1912 – Mission Moderne. Die Jahrhundertschau des Sonderbundesnoch bis Ende Dezember Gelegenheit dazu. Hundert Jahre danach können wir einen Teil der ursprünglichen Ausstellung in ihren Schwerpunkten und Zielsetzungen rekonstruiert nacherleben, Meisterwerke der Kunstgeschichte bewundern, uns berühren lassen. Nutzen Sie diese Möglichkeit!


Ernst Ludwig Kirchner, Artistin Marcella, 1910.
Öl auf Leinwand, 101 x 76 cm.
Brücke-Museum Berlin.



Paul Cézanne, Der See von Annecy, 1896.
Öl auf Leinwand, 79 x 64 cm.
The Courtauld Gallery, London.


Begleitend zur Ausstellung finden Sie in dem umfangreichen Katalog des Verlages Parkstone-International zahlreiche Monografien zu Künstlern wie Cézanne von Nathalia Brodskaya, Vincent van Gogh, Gauguin oder Picasso von Victoria Charles, zu Kirchner von Klaus H. Carl, Munch von Elizabeth Ingles oder auch zu Schiele von Jeanette Zwingerberger.

Weitere E-Books unserer Autoren mit hervorragenden Abbildungen verschaffen Ihnen einen ersten allgemeinen Überblick über die Kunstströmungen des Impressionismus, ebenfalls von Nathalia Brodskaya, und des Expressionismus von Ashley Bassie.

Friday, July 27, 2012

Edvard Munch - soviel mehr als nur ein Schrei

Wer den Namen Edvard Munch hört, mag wohl zuerst an eine Landschaft aus Blau und Rot denken, in der sich eine Brücke diagonal in den Bildhintergrund verjüngt. Zwei Personen sind am Ende der Brücke nur schemenhaft zu erkennen und im Vordergrund zeigt sich dem Betrachter eine scheinbar verzeichnete Figur, die Hände an den Wangen, mit weit aufgerissenem Mund und Augen. Der Schrei, so laut und doch stumm, hat es nicht zuletzt aufgrund des Diebstahls 2006 oder dem mit einem dreistelligen Millionenbetrag höchsten je erzielten Auktionsergebnis im Frühjahr 2012 auf die Bestsellerliste geschafft.


Edvard Munch, Der Schrei, 1893.
Tempera und Pastell auf Karton, 91 x 73,5 cm.
Nasjonalmuseet, Oslo.



Aber Munch ist so viel mehr als ein Symbolist mit pessimistischer Lebensphilosophie, seine Bilder sind so viel mehr als reine „Stimmungsbilder“. Er ist einer der großen Wegbereiter des Expressionismus, Inspiration in der Art und Weise, wie er den Raum in Farbflächen auflöst. In seinen dynamischen Bildkompositionen wird die Perspektive von wenigen Linien suggeriert, Farben scheinen zu fließen und Figuren bewegen sich auf den Betrachter zu.

Motive wiederholen sich, werden zu Varianten und verselbstständigen sich schließlich. Auch Zeichnungen, Grafiken, Lithografien und Fotoarbeiten kennzeichnen das umfangreiche Werk des Norwegers. Selbstporträts aus allen Medien entwickelten sich bewusst zu einer visuellen Biografie.

Und die Tate Modern London verspricht noch viel mehr in ihrer aktuellen Ausstellung Edvard Munch, The Modern Eye, die Sie noch bis zum 14. Oktober 2012 besuchen können. Oder überzeugen Sie sich mit dem Buch des Parkstone-Verlages als Print- oder E-Book- Ausgabe davon, dass Edvard Munch mehr als nur ein „pessimistischer Stimmungsmaler“ ist.

Monday, July 23, 2012

Picasso - Ist das Kunst, oder kann das weg?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir vor Beginn meines Studiums nicht selten diese Frage gestellt, wenn ich moderne oder auch zeitgenössische Kunst gesehen habe. „Schwarzes Quadrat auf weißem Grund“, „Blue, Green and Brown“, „Komposition No. V“ oder „Les Demoiselles d’Avignon“ waren mir suspekt.

Ja, ich musste erst lernen, Bilder zu betrachten, mich mit Ihnen auseinanderzusetzen ohne dabei zu fragen „Was will mir der Künstler damit sagen?“ Ich muss nicht alles verstehen, muss nicht alles hinterfragen, aber ich muss mir die Zeit nehmen, bestimmte Einzelheiten näher zu betrachten und vielleicht sogar einen Zusammenhang zu finden, der mir einen Zugang zu dem Bild verschafft, der meine Begeisterung weckt.

Bei Picasso fiel das leichter als ursprünglich erwartet. Seine Rezeptionsquellen finden sich in der antiken Skulptur, in Stichen von Rembrandt und Arbeiten von Goya. Farbphasen, Mythologie und die Auseinandersetzung mit der Perspektive kennzeichnen sein Werk.

Ich versuche nicht, einen Picasso zu verstehen, aber ausgehend von dem strukturellen Aufbau des Bildes, von den verschiedenen Farbgebungen, Perspektiven, oder Geometrien im Bildaufbau und zuletzt über die dargestellten Elemente erschließt sich doch ein Teil des Werkes, der Grundtenor wird erkennbar.


Pablo Picasso, La Paix (Der Frieden), aus der Gruppe La Guerre et la Paix (Der Krieg und der Frieden), 1952.
Öl auf Leinwand, 4,5 x 10,5 m.
Temple de la Paix (Schlosskapelle), Vallauris.
© 2012 Succession Picasso Estate, Artists Right Society (ARS), New York


Ich benötigte sechs Jahre Studium, einen geduldigen Professor und ein wenig Eigeninitiative, damit Picasso auch für mich zu einem großartigen Künstler avancierte. Mit ein wenig Neugier und Enthusiasmus sollte es Ihnen jedoch in weniger als sechs Jahren gelingen, das Genie des Spaniers zu entdecken. Besuchen Sie noch bis zum 2. September die Ausstellung Picasso Prints – The Vollard Suite im British Museum, nehmen Sie sich die Zeit, Picassos Werke zu betrachten und finden Sie Ihren eigenen Zugang zu seinem Bildwerk. Alternativ und ergänzend finden Sie Picasso auch im praktischen E-Book-Format in einer Ausgabe des Verlages Parkstone International.