Thursday, September 27, 2012

Die Sonderbundausstellung – erneut in Köln

Haben Sie schon einmal vor einem Kunstwerk gestanden und waren innerlich wirklich bewegt? Vielleicht, weil Sie die Geschichte zum Werk oder die künstlerische Intention kannten, weil Sie von der Technik überwältigt waren oder einfach nur, weil es in dem Moment, in dem Sie es betrachteten, nahezu zusammenhanglos alles in Ihnen aufwühlte, Sie unglaublich beeindruckte? Dieses Gefühl ist überwältigend und leider auch viel zu selten. Es gibt viele Meisterwerke der Kunst, aber nur wenige, die uns persönlich anregen, über ein „wunderschön“ hinausgehen. Klitzekleine Synapsen in unserem Körper reagieren auf unsere Sinneseindrücke: tasten, schmecken, riechen, hören und SEHEN.

Jede Epoche hat Kunstwerke hervorgebracht, die die Fähigkeit besitzen, zu bewegen. Versuchen Sie es doch mal mit einer Zeit, in der sich selbst viel bewegt hat: vom Lösen von der akademischen Malerei über die Freilichtmalerei hin zur Auflösung der Form mittels der Farbe.

1912 – Das Jahr der großen Sonderbundausstellung in Köln! Die großartigen Künstler der Jahrhundertwende und der folgenden Generationen, vom Impressionismus zum Expressionismus, alle nebeneinander. Cézanne, van Gogh, Munch, Picasso, die Künstler der Brücke, des Blauen Reiter und viele, viele mehr. Rund 650 Werke, darunter auch Skulpturen Lembrucks, wurden in einer internationalen Ausstellung präsentiert, die zum ersten Mal die europäischen Kunstbewegungen der Zeit zusammenfasste und die Zeitgenossen bewegte.


Edvard Munch, Winter, Kragero, 1912.
Öl auf Leinwand, 131,5 x 131 cm.
Munch Museum, Oslo.


2012 – Das Jahr der Retrospektive! Die Möglichkeit, zumindest eine Auswahl der sich heute größtenteils in Privatsammlungen befindlichen Kunstwerke zu betrachten, sich überwältigen zu lassen, ist einmalig. Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln gibt mit der Retrospektive 1912 – Mission Moderne. Die Jahrhundertschau des Sonderbundesnoch bis Ende Dezember Gelegenheit dazu. Hundert Jahre danach können wir einen Teil der ursprünglichen Ausstellung in ihren Schwerpunkten und Zielsetzungen rekonstruiert nacherleben, Meisterwerke der Kunstgeschichte bewundern, uns berühren lassen. Nutzen Sie diese Möglichkeit!


Ernst Ludwig Kirchner, Artistin Marcella, 1910.
Öl auf Leinwand, 101 x 76 cm.
Brücke-Museum Berlin.



Paul Cézanne, Der See von Annecy, 1896.
Öl auf Leinwand, 79 x 64 cm.
The Courtauld Gallery, London.


Begleitend zur Ausstellung finden Sie in dem umfangreichen Katalog des Verlages Parkstone-International zahlreiche Monografien zu Künstlern wie Cézanne von Nathalia Brodskaya, Vincent van Gogh, Gauguin oder Picasso von Victoria Charles, zu Kirchner von Klaus H. Carl, Munch von Elizabeth Ingles oder auch zu Schiele von Jeanette Zwingerberger.

Weitere E-Books unserer Autoren mit hervorragenden Abbildungen verschaffen Ihnen einen ersten allgemeinen Überblick über die Kunstströmungen des Impressionismus, ebenfalls von Nathalia Brodskaya, und des Expressionismus von Ashley Bassie.

Centennial Vortexes

You can blame it on my being an emotional woman if you’d like, I take full responsibility for that, but when I discovered the Wallraf-Richardtz-Museum’s intention to reunite some of the pieces from the 1912 Sonderbund Exhibition of Post-Impressionism through German Expressionism, featuring Van Gogh, Cézanne, Gauguin, Munch, Picasso, Macke, Nolde, Schiele, Signac, etc., I got a bit teary-eyed.

Pieces that have been separated (and sometimes out of view) will be reunited in Cologne until year’s end. It’s reminiscent of one’s days in University and coming back so many years later (clearly not 100) to see how much you’ve changed – or in the case of these paintings and sculptures, hopefully not changed – over time. Maybe one of the girls in the paintings featured below is still alive and will turn up!

 


Pablo Picasso, Le Gourmet (The Greedy Child), 1901.
Oil on canvas, 92.8 x 68.3 cm.
Chester Dale Collection, National Gallery of Art, Washington, D.C.


 


Ernst Ludwig Kirchner, Fränzi in front of a Carved Chair, 1910.
Oil on canvas, 71 x 49.5 cm.
Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid.


 


Egon Schiele, Seated Girl Facing Front, 1911.
Watercolour and pencil, 46.5 x 31.8 cm.
Bayerische Staatsgemäldesammlung, Munich.


 

There is a fear in the back of my mind, however, that in reuniting these pieces in the same city 100 years later, in a year that’s predicted to end the world, that a vortex will open up and visitors will end up in some alternate universe. Were that universe one with Schiele and friends hanging out enjoying a few glasses of absinthe, I might be keen to jump through and not look back. Sadly, I’m willing to place bets that the other side of that vortex is one of zombies without ears, boundless womanising, and crippling bouts of manic-depression – maybe not so much unlike society today. Would you jump through the vortex unknowing what you’d find?

Nevertheless, I say take the chance and do yourself a favour; book a ticket to Cologne immediately to see 1912-Mission Moderne, as this opportunity to see over 100 pieces of the wonder that was Sonderbund in one place will not come again in our lifetime. Whether you can or cannot make it, purchase these beautiful representations of the pieces on display and more in ebook form: Cézanne, Gauguin, Kirchner, Picasso, Schiele, and Van Gogh.

-Le Lorrain Andrews

 

 

 

Tuesday, September 25, 2012

Impression, Sonnenaufgang – Frankreich im 19. Jahrhundert

Als Edmond Renoir, Journalist und Bruder des Malers Auguste Renoir (1841-1919), an einem begleitenden Katalog für die erste im Jahr 1874 stattfindende Ausstellung der – wie sie sich selbst nannten – Société anonyme des artistes, peintres, sculpteurs, graveurs (Die Anonyme Gesellschaft der Künstler, Maler, Bildhauer und Grafiker) arbeite, fiel ihm auf, dass Claude Monet (1840-1926) viele seiner Werke einfach mit dem Titel Le Havre versehen hatte. Auf einem dieser Gemälde ist eine diesige, in grau-blaue Nebelschwaden gehüllte morgendliche Flussszenerie dargestellt. Die Umrisse einiger kleiner Paddelboote im Bildvordergrund und größerer im Hafen liegender Segelboote zeichnen sich im Bildhintergrund ab. Der Hafen selbst und die normannische Stadt Le Havre sind im dämmrigen Morgenlicht und aufgrund der dichten Nebelschwaden jedoch nicht zu erkennen. „Schreib Impression“ lautete daher Monets Vorschlag für eine Neubetitelung des Gemäldes, nicht ahnend, dass damit die Bezeichnung der neuen Stilrichtung gefunden war.


Claude Monet, Impression, Sonnenaufgang, 1872.
Öl auf Leinwand, 48 × 63 cm.
Musée Marmottan Monet, Paris.


Am 25. April 1874 erschien in der Zeitschrift Charivari ein satirischer, von dem Kritiker Louis Leroy geschriebener Artikel über die Ausstellung aus Sicht eines akademischen Besuchers: „Impression, da bin ich mir sicher“,lässt er den vor Monets Gemälde stehenden Akademiker murmeln „[...] welch Freiheit, welch Gewandtheit in der Ausführung! Die unvollendete Tapete ist vollendeter als dieses Seestück hier!“ (Charivari, 25 April 1874). Seinem Artikel überschrieb Leroy sarkastisch mit dem Titel Die Ausstellung der Impressionisten – ein zunächst durchaus negativ gemeinter Neologismus, der aber so geläufig wurde, dass er sich als Epochenbegriff durchsetzte.

Mit der ersten Ausstellung der Impressionisten war ein großer Schritt hin zu einer Kunst getan, die das moderne, die Künstler umgebende Leben widerspiegelte. Paris gehörte schon im Mittelalter zu den größten Städten Europas und gilt als die erste Großstadt des Westens. Hier entwickelten sich typische städtische Lebensformen: Elegant gekleidete Fußgänger schlendern den neuen durch den Architekten Georges-Eugène Haussmann (1809-1891) geprägten Pariser Boulevard entlang, die kleinen Straßencafés sind gut besucht, im Park wird getanzt und gepicknickt. Das moderne Paris lieferte den Impressionisten viele Motive, und die Anonymität der Großstadt brachte gleichzeitig viele Freiheiten mit sich: „Das Paris zwischen den Weltkriegen“, bemerkte Simonetta Fraquelli, „[...] war die hedonistische Metropole Europas, Kreuzung und Testgebiet der Kunst von unvergleichlicher Vitalität, das Ziel von Künstlern auf der Suche nach Freiheit und Inspiration. Paris verkörperte einen Traum.“

Der Entwicklung der Gesellschaft und der Entstehung des modernen Lebens in den 1800er Jahren widmet sich auch die aktuelle Ausstellung Modern Life – France in the 19th im Century Nationalmuseum in Stockholm. Noch bis zum 3. Februar 2013 werden dort Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien und Werke der angewandten Kunst präsentiert. Von der klassisch inspirierten Kunst der napoleonischen Ära, über die neue Freilichtmalerei, vom kurvigen Jugendstil bis hin zum Impressionismus sind Werke von Claude Monet, Emile Gallé, Edouard Manet, Berthe Morisot, August Rodin, Gustave Courbet und vielen anderen Künstlern ausgestellt.
Der Impressionismus ist eine der Epochen, die in der Kunst einen großen Umbruch auslösten, eine Epoche, die es zu entdecken lohnt.

Einen weiterführenden guten Überblick können Sie sich mit dem im Verlag Parkstone-International erschienenen und als E-Book oder Druckausgabe erhältlichen Titel Impressionismus verschaffen.

 

-C.Schmidt

Almuerzo sobre la hierba y ratones en la despensa

Con el afán de presentar sus colecciones al público de una forma diferente, el Nationalmuseum ha organizado una exposición sobre la Francia del siglo XIX y la vida moderna que surgió en ese convulso siglo, concretamente en el período comprendido entre la Revolución Francesa y el estallido de la primera guerra mundial.

Por algún motivo, lo primero que se me viene a la mente a la hora de hablar sobre este tema es la conocidísima fábula del ratón de campo y el ratón de ciudad. De forma resumida, con plena consciencia de que existen infinitas y sutiles variaciones, cuenta la historia de un ratón de ciudad que invita a un ratón de campo a participar de las exquisitas golosinas de su despensa urbanita, pero su festín es trágicamente interrumpido y el ratón de campo pone pies en polvorosa hacia su adorada campiña convencido de que ningún manjar es lo suficientemente delicado como para exponerse a los peligros de la ciudad.

¿Y qué relación puede guardar una fábula de la Antigüedad clásica con Francia y con la época de las guerras napoleónicas, la Declaración de los derechos del hombre y del ciudadano, los viajeros del grand tour, la industrialización, la primera proyección de los hermanos Lumière, la expansión del ferrocarril, los Salones, las Exposiciones Universales, las renovaciones artísticas y las revueltas de la recién constituida clase obrera? Pues bien, en primer lugar, en mi cabeza esos dos ratones son evidentemente franceses. No sé si será por el queso, pero Francia tiene algo (o mucho) de ratona; además, no puedo sino imaginarme al pobre ratón rural extasiado ante un despliegue de Comté, de compota de higos, de marrons glacés, de macarons, de milhojas, de magdalenas o de petisús salidos del horno del mismísimo Carême, cocinero de los reyes. En segundo lugar, el siglo XIX se caracterizó por las grandes migraciones del campo a la ciudad. Es el siglo en el que París se convierte en la ciudad por excelencia, donde la burguesía es la clase dominante, que pasea por las grandes avenidas y los bulevares, se entretiene en los grandes almacenes, va a la Ópera de Garnier o a los espectáculos de cancán, toma el metro o se reúne en los café-concerts más populares. (También fue una época marcada por epidemias devastadoras, como la del cólera, y los roedores se cuentan entre los transmisores de esta enfermedad, aunque esto le da un tinte algo macabro a la narración).

Los burgueses decimonónicos y las escenas cotidianas de su vida moderna nos resultan extremadamente familiares gracias al legado de los innovadores artistas que ejercieron de observadores e intérpretes de una era: los románticos, los realistas, los pintores paisajistas y los impresionistas. Gracias a ellos, la vida cotidiana se convirtió en el tema pictórico por excelencia y se desecharon los ideales academicistas por motivos más dramáticos que, en ocasiones, fueron objeto de burlas y suscitaron una verdadera conmoción. Un ejemplo es este Almuerzo sobre la hierba de Manet, que se exhibió por primera vez en el «Salon des Refusés» (Salón de los rechazados) autorizado por el emperador Napoleón III en 1863.

 


Edouard Manet, Almuerzo sobre la hierba, 1863.
Óleo sobre lienzo, 208 x 264,5 cm.
Musée d’Orsay, París.


 

Aunque Manet se inspiró en obras clásicas, los personajes son indudablemente modernos y los bruscos contrastes entre las luces y las sombras, así como la falta de perspectiva y de profundidad, suponen una ruptura con los convencionalismos técnicos. El artista trata simplemente de reflejar lo que su ojo ve, con sus limitaciones, y nos presenta una escena bucólica de belleza, tranquilidad y recreo. La bulliciosa modernidad del siglo XIX también supuso un resurgimiento del tema horaciano del Beatus Ille, la descansada vida alejada del mundanal ruido que alabó fray Luis de León. En definitiva, la misma cuestión vital que expone el ratón de campo, que estimó su grama y su abrojo «mucho más de allí adelante».

Hasta el 1 de enero del próximo año podrás explorar el siglo XIX tal como lo reflejaron los pintores, fotógrafos y escultores de la vida moderna. Y para abrir boca, deléitate con las «escandalosas» visiones de los artistas impresionistas que se recogen en esta obra de Nathalia Brodskaya.

 

Impressionist, and proud

Underdogs have taken note and reclaimed terms that were once hurtful or derisory: ‘queer’ has become a positive label for the LGBT community, ‘nerd’ and ‘geek’ are no longer insults but badges of honour (thanks in part to the Gleeks), ‘slut walk’ participants have tried to de-stigmatise the word, and the Tea Party movement’s ‘tea-baggers’…well, that’s a bad example. But this ‘current’ propensity for linguistic reappropriation is not such a modern phenomenon…

The Impressionists came to be known as such after a 10-year battle for recognition. In 19th-century France, artistic esteem could only be attained by recognition by the Academy of Fine Arts and the displaying of their artwork in the Salons, or yearly exhibitions in Paris. This new art movement was too mind-blowing for those stuffy old codgers – Manet’s Luncheon on the Grass didn’t make the grade because of the daring inclusion of a stark-naked lady frolicking at a picnic. I can’t imagine what they would make of Prince Harry’s trip to Las Vegas…

 


Reconstruction of Prince Harry’s trip to Vegas…
Edouard Manet, Luncheon on the Grass, 1863.
Oil on canvas, 208 x 264.5 cm.
Musée d’Orsay, Paris.


 

A brief glimmer of hope came in 1863 when Napoleon III, shocked by the quality artwork that was being sidelined, opened an exhibition alongside the official Salon, an Exhibition for Rejects. This group of artists received more visitors than the official Salon, but most came along for a good chuckle at these deluded ‘artists’ and their strange paintings. Requests for another exhibition were denied, until in 1874 they decided to take matters into their own hands…

Thirty artists including Monet, Renoir, Pissarro, Sisley, Cézanne, Degas and Morisot participated in a private exhibition, which was still too zany for many. Louis Leroy wrote a sarcastic, satirical review, coining the term ‘Impressionists’ as a play on words of the title of Monet’s painting Impression, Sunrise. The term caught on, and what was meant to be a moniker of derision became a badge of honour for the group. And Leroy must have been laughing on the other side of his face when Impressionism spread beyond France, paving the way for Modern art, and even becoming the long-lasting legacy of 19th-century French art.

So take a leaf out of the Impressionists’ book and wear those insults with pride. My suggestions for some topically beleaguered individuals include: Prince Harry – ‘The Naked Prince’, Todd Akin – ‘The Legitimator’, and I’m sure Julian Assange could put a positive spin on ‘coward’, ‘tool’ or ‘cyber terrorist’.

Sweden’s Nationalmuseum has an exhibit dedicated to 19th-century France and the beginning of the Modern era, until 3 February 2013. If you would like to read more about the peppy Impressionists, try this impressive art book or compact gift version, written by Nathalia Brodskaya.

 

Thursday, September 20, 2012

In the Time of Devotion

What do you think of when someone mentions the Middle Ages? I’d say caves, toga-like clothing, candles, definitely a lot of candles, witches, the burning of said witches, and ceaseless devotion to God. Often, when the internet in my apartment isn’t working, I tell friends “I’m living in the Middle Ages” – which has more candles than devotion to God and witch burning.

Honestly, let’s face it, what else was there to do between the 5th and 15th centuries aside from worship God, be a witch or burn them, participate in the many crusades, and wait to meet your maker? If you think about it, maybe part of the reason life expectancy was so short is because it is actually possible to die of boredom*.

People talk about time machines and how incredible it would be to go back (or forward, for that matter) in time, but we’re living in the best time to be alive. We’ve got television and Batman; internet and Ryan Gosling. I wouldn’t have survived ten minutes in the Middle Ages, but would happily see how those that did, entertained themselves.


The Rheims Missal (Missale Remenense), The Creation of the World, 1285-1297.
Parchment, Latin, 23.3 x 16.2 cm.
Paris.



Bestiarum, Adam Naming the Animals, late 12th century.
Parchment, Latin, 20 x 14.5 cm.
England.


The Getty is at it again, exhibiting religiously charged images, starting this month through 3 February 2013 (assuming the world doesn’t end first and we meet the Powers that Be in person): The Art of Devotion in the Middle Ages. Often find yourself without internet or electricity, or do you simply want to go back in time? Procure this fantastic representation of manuscripts of the period: Illuminated Manuscripts by Edmond de Goncourt and Jp. A. Calosse.

*Research was still being conducted at time of posting.

 

-Le Lorrain Andrews

Die Kunst der Andacht

Auch wenn das Mittelalter häufig als „dunkle Zeit“ bezeichnet wird, so ist damit nicht das Fehlen des Tageslichts gemeint. Viel mehr verleiten fehlende Informationen und Aufschluss gebende adäquate Quellen über Lebensstil, Traditionen und geschichtliche Zusammenhänge dazu, das Mittelalter eben als „dunkle Zeit“ zu beschreiben.

Zahlreiche Handschriften können jedoch zumindest ein wenig Licht auf dieses uns entfernte Kapitel der Geschichte werfen. Sie bringen uns die Helden des Artushofes und dessen Tafelrunde, vom sagenhaften walisischen Ritter Gawein von Orkney und des den Gral suchenden Ritters Parzival sowie die Lieder und Sangsprüche Walters von der Vogelweide (um 1170- um 1230) näher.

Doch überwältigt sind wir von der Ausführung und Farbenpracht der die Manuskripte zierenden Initialen und Miniaturen. Sie sind weder aus der geistlichen noch aus der so vielfältigen weltlichen Literatur wegzudenken. Ob im Zusammenhang mit der kirchlichen oder der privaten Andacht – in Gesangs- und Stundenbüchern finden sich immer wieder auf Goldgrund dargestellt die zarte Gestalt der Maria und die Leiden Christi neben weiteren Geschichten von Heiligen und aus der Bibel. Die prächtigen Bildwerke dieser frommen Lektüre, die mitunter einziges Verständigungsmittel zwischen den komplizierten Riten der Höfe und der analphabetischen Bevölkerung waren, zeigen uns nicht nur die Bedeutung der Religion, sondern demonstrieren vor allem auch die Macht der Kirche.


Missale Remenense, Die Erschaffung der Welt, 1285-1297.
Pergament, Latein, 23,3 x 16,2 cm.
Paris.



Bestiarium, Adam benennt die Tiere, spätes 12. Jh.
Pergament, Latein, 20 x 14,5 cm.
England.


Als Illustration, Texterläuterung oder mit eigenständiger narrativer Funktion schmücken sie bis heute die überlieferten Handschriften und erhellen uns das „dunkle Mittelalter“. Noch bis zum 03. Februar 2013 können Sie in der Ausstellung The Art of Devotion in the Middle Ages im Getty Museum Los Angeles einen Blick auf die „Kunst der Andacht“ werfen oder sich weitere Informationen aus dem umfangreichen Bildband Meisterwerke der Buchmalerei von Edmond de Goncourt und Jp. A. Calosse des Verlages Parkstone-International auf ihren E-Book-Reader holen.

 

-C.Schmidt