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Friday, May 31, 2013

Liebe ist...

Einerseits ein tief verankertes, menschliches Grundbedürfnis, das uns alle vereint,und andererseits eines der wohl rätselhaftesten und unerklärlichsten Phänomene im Universum. Die Auffassungen darüber, was wir unter Liebe verstehen dürfen, könnten kaum weiter auseinander gehen. Dies mag nicht zuletzt an den vielfältigen Ausprägungen liegen, in denen uns diese auf geistiger, körperlicherund seelischer Anziehung beruhende Emotion begegnet. Denn die Annahme, dass sich Liebe allein auf zwischenmenschliche Gefühlsbeziehungen beschränkt, ist weit gefehlt. Das Spektrum an potentiellen Adressaten für den Überschuss an persönlicher Zuneigung ist schier unbegrenzt. Wussten Sie beispielsweise, dass Agalmatophilie als wissenschaftlicher Fachbegriff die starke Affinität und sexuelle Anziehung zu (überwiegend nackten) Statuen bezeichnet? Oder dass auch die Liebe zu Teddybären, die so genannte Arktophilie, als psychologisches Phänomen eingehend erforscht ist? Auch Papier (Paperphilie), der Papst (Papaphilie), Friedhöfe und Todesriten (Taphophilie) sowie Duschen und Vollbäder (Taphophilie) können Auslöser für emotionale Hingabe oder sexuelle Erregung sein.

Das Mysterium Liebe in seinen unterschiedlichen Facetten zu beleuchten, haben sich auch die Kuratoren der Ausstellung „All You Need Is LOVE“, die noch bis 1. September 2013 im Mori Art Museum in Tokio zu sehen ist, zum Ziel gesetzt. Die Sonderausstellung findet anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Museums statt und umfasst über 200 Werke aus unterschiedlichen Epochen und Kunststilen.

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Jean-Honoré Fragonard, Der gestohlene Kuss, um 1780
Öl auf Leinwand, 45 x 55 cm.
Eremitage, St. Petersburg.

Wednesday, April 10, 2013

Verkopfte Romanze

Es ist, was es ist, sagt die Liebe. Allein der Versuch, sie in Worte zu fassen, scheint zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Lastwagenladungen voller Romane, Filme, Kunstwerke und wissenschaftlicher Arbeiten haben es nicht geschafft, zu ergründen, was passiert, wenn jemand in unserem Umfeld eine absolut irrationale Entscheidung trifft, dabei lediglich lächelnd mit den Schultern zuckt und meint: „Es ist eben Liebe.“

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Angelica Mestiti, Rapture (silent anthem), 2009 (Filmstill).
HD-Video, Farbe, ohne Ton, 10:10 min


„Aber ist es tatsächlich so einfach?“ wird sich der Realist fragen, und der Zyniker kann dazu nur müde den Kopf schütteln. Spätestens nach zwei, drei in die Brüche gegangenen Romanzen beginnen wir enttäuscht zu überlegen, ob das Herz nicht in Wirklichkeit doch nur ein Muskel ist und das Gehirn endlich die volle Verantwortung für unsere Taten übernehmen sollte. In wen verlieben wir uns wirklich - in eine Person oder in die Idee, die wir von ihr haben? Wo genau sitzt unser „Bauchgefühl“ und wie geht es ihm bei einer Magenverstimmung? Was passiert, wenn uns das Herz in die Hose rutscht - und wer holt es dort wieder heraus?

Fragen wie diese werden Künstler und Otto Normalverbraucher wohl noch ein paar Jahrhunderte lang um den Schlaf bringen – und bieten vor allem Ersteren schier endlose Möglichkeiten zur gestalterischen Umsetzung.

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David Rosetzky, How to feel, 2011 (Filmstill).
HD Video, Farbe, Ton, 148:39 min.


Man könnte meinen, ein derart universelles Thema wie die einzigartige, die ganz große Liebe, sollte in einer Ausstellung wahrscheinlich leicht zu kuratieren sein – doch We used to talk about love in der Art Gallery NSW in Sydney macht es sich alles andere als einfach. Von linkischen Annäherungsversuchen bei der ersten Begegnung, der Euphorie bei der Eroberung des Objekts der Begierde bis hin zum gebrochenen Herzen reicht die Spannweite der Emotionen, die ein liebeswilliger Mensch durchleben muss – und We used to talk about love versucht genau diese Höhen und Tiefen in all ihren Facetten zu präsentieren.

Und so ist es vielleicht sogar ganz erfreulich, dass sich die Mysterien der Liebe wohl nie ganz entzaubern lassen werden – denn sonst hätten die Künstler nichts mehr zu tun - und wir nichts mehr zu sehen.

Falls sie der schier unerklärlichen Liebe dennoch auf die Spur kommen wollen, finden Sie jede Menge Anregungen in Jp. A. Calosses „Love“ vom Verlag Parkstone International. Weiterführendes Expertenwissen können Sie sich außerdem mithilfe des „Kamasutra“ von Klaus H. Carl aneignen.

T.Lachner

Thursday, February 14, 2013

Der Anfang aller Kunst ist die Liebe (Hermann Hesse)

Rote Rosen, teure Pralinen, Parfüm oder Teddybären? Der Valentinstag ist der Tag, an dem wir uns darauf besinnen, dass kleine Geschenke die Freundschaft und vor allem die Liebe erhalten. Doch mal ehrlich, wer auf dem Heimweg schnell mal an der Tankstelle anhält, um Rosen oder Schokolade zu kaufen, der hat vermutlich etwas missverstanden.

Bereits im alten Rom wurden im Gedenken an Juno, der Schutzgöttin der Ehe und Familie, am 14. Februar die Frauen in der Familie mit Blumen überrascht. Christlichen Überlieferungen zufolge geht der Tag der Liebenden allerdings auf eine sehr tragische Geschichte zurück: Der italienische Priester Valentin von Rom (in anderen Überlieferungen der Bischof Valentin von Terni) hatte im 3. Jahrhundert nach Christus sein Leben mehrmals für die Liebe aufs Spiel gesetzt, und dass nicht mal für seine eigene Liebe: Dem Mythos zufolge predigte er, dem bestehenden Verbot des Kaisers Claudius II. zum Trotz, das Evangelium und traute mehrere Paare im christlichen Glauben, darunter auch Soldaten, die nach dem Willen des Kaisers eigentlich unverheiratet bleiben sollten. Am 14. Februar 269 ließ ihn der Kaiser schließlich enthaupten und machte Valentin so zum Märtyrer, zum Beschützer der Liebenden.

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Suzanne Valadon, Adam und Eva, 1909.
Öl auf Leinwand, 162 x 131 cm.
Centre Pompidou, Paris.


Nachdem er die Paare getraut hatte oder wenn Rat und Trost Suchende zu ihm kamen, soll Valentin diesen bunte Blumensträuße aus seinem eigenen Klostergarten übergeben haben. Aus diesem Brauch heraus hat sich in unserer Zeit ein Milliardengeschäft für den Einzelhandel und vor allem für die Blumenindustrie entwickelt. Der Valentinstag hat schon vor einigen Jahren den Muttertag als umsatzstärksten Verkaufstag des Jahres abgelöst. Und der Valentinsindustrie kann sich kaum einer entziehen. Oder vielleicht doch?

Der Valentinstag sollte uns dazu auffordern, kreativ zu werden, etwas zu riskieren und den ersten oder nächsten Schritt in der Liebe zu wagen. In der Liebe sind es doch oft die kleinen Gesten, die wirklich zählen. Ein selbst gepflückter Blumenstrauß aus dem eigenen Garten, ein ans Bett gebrachtes Frühstück, ein handgeschriebener Liebesbrief, ein selbst zubereitetes Mittagessen, ein selbst komponierter Song... – Es gibt so viele Möglichkeiten anderen eine Freude zu machen!

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Egon Schiele, Embrace (Lovers II), 1917.
Öl auf Leinwand, 100 x 170 cm.
Österreichische Galerie Belvedere, Wien.


Das vom Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Lagos, Nigeria, der Pulitzer Foundation for the Arts in St. Louis, Missouri und der Menil Collection in Houston, Texas organisierte, interkontinentale Projekt Progress of Love, hat sich die Liebe in ihrem Prozess zum Thema genommen. Was erwarten wir von der Liebe? Wie stellen wir uns die Liebe vor? Welche Erfahrungen haben wir bisher gemacht? Wie verarbeiten wir das Ende der Liebe bzw. den Verlust eines geliebten Menschen? Und welche Rolle spielen unser Kulturkreis, das digitale Zeitalter und die Massenmedien dabei? Diese Fragen versuchen die jungen aus Afrika, Europa und den Vereinigten Staaten kommenden Künstler mit ihren in der Menil Collection in Houston ausgestellten Werken zu beantworten. Der Eintritt der noch bis zum 27. März geöffneten Ausstellung ist kostenlos!

Die Liebe in all ihren Facetten ist auch das Thema des im Verlag Parkstone International erschienenen E-Books Love . Von Tizians Werk Adam und Eva über Rodins Kuss bis hin zu Egon Schieles sich mit aller Kraft umarmenden Liebenden – der Autor Jp. A. Calosse vereint sie alle: Die bedeutendsten Liebespaare der Kunstgeschichte, die romantischsten Momente, die innigsten Küsse. Die Liebe ist und bleibt die größte Inspirationsquelle, die Maler, Bildhauer und sogar Architekten dazu veranlasst, die Meisterwerke ihres Lebens zu schaffen.

C. Schmidt

Monday, July 2, 2012

Liebe und Leidenschaft

Liebe, Angst, Trauer, Freude und Lust sind Gefühle, mit denen wohl jeder schon einmal konfrontiert worden ist. Resultierend aus Emotionen, die wiederum eine Folge aus verschiedenen im Körper ablaufenden chemischen Reaktionen sind, die dann im Gehirn zu einem dieser Gefühle verarbeitet werden und anschließend in der Kontraktion verschiedener, die Gestik und Mimik beeinflussender Muskeln für unsere Umwelt sichtbar werden.

Die Rationalität eines Gefühls und seiner Entstehung erscheint in der Selbsterfahrung jedoch häufig irrational, und so ist es auch für den Menschenkenner nicht immer ein Leichtes, verschiedene Gefühlsregungen seines Gegenüber richtig zu deuten. Das mit oder über jemanden Lachen, kann ähnlich missverstanden werden wie das Weinen vor Freude, Wut oder Trauer.

Während die Deutung der Gestik und Mimik eines Gegenüber mitunter schon schwierig sein kann, sehen wir uns ebenso mit dem Versuch konfrontiert, die Empfindungen einer Mona Lisa, eines Pygmalion oder einer geraubten Europa, gelegentlich fast verzweifelnd, nachzuempfinden.


Dante Gabriel Rossetti, Paolo and Francesca da Rimini, 1867.
Aquarell, Gouache und arabischer Gummi über Bleistift auf zwei Blättern Papier, 43,7 x 36,1 cm.
National Gallery of Victoria, Melbourne.


Selbst der auf den ersten Blick recht unmissverständlich erscheinende Kuss ist nicht nur Ausdruck der Lust, der puren Leidenschaft oder gar der Liebe, er kann ebenso nur freundschaftlicher Natur sein oder verräterisch.

Besonders faszinierend ist das seit Jahrhunderten sichtbare Interesse der Künstler an der Darstellung der menschlichen Empfindungen, in ihrer Schönheit und gesamten Differenziertheit. Die Herausarbeitung von Gestik und Mimik sowie die Einbettung in eine das Gefühl widerspiegelnde Bildatmosphäre mit flirrenden Farben, dunklen Räumen oder abstrakten Formen geben dem Betrachter die Möglichkeit, die Liebe, Wut, Angst und Freude nachzuvollziehen, garantieren aber nicht immer eine ultimative Antwort. So verlangt auch der romantische Kuss häufig nach der Geschichte der Liebenden, um ihn besser verstehen zu können.


Francesco Hayez, Der Kuss, 1859.
Öl auf Leinwand, 110 x 88 cm.
Pinacoteca di Brera, Milan.


Vielleicht ist es aber gerade diese kleine, bis zuletzt offen gehaltene und übrig bleibende Unklarheit über das Gefühl, die die Magie der Darstellungen ausmacht.

Noch bis zum 12. August 2012 können Sie im schwedischen Nationalmuseum in Stockholm in der Ausstellung Passions – Five Centuries of Art and the Emotions Künstler auf ihrer Entdeckungsreise des menschlichen Gefühls begleiten oder sich mit diesem wunderschön illustrierten Buch Love im handlichen Geschenkformat die Liebe zumindest visuell schon einmal nach Hause holen.

 

Wenn Sie sich mehr für den physischen Aspekt der Liebe und zwischenmenschlichen Beziehung interessieren, sollten Sie unbedingt einen Blick in unsere Bildbände Erotische Kunst, Encyclopædia Erotica und Das erotische Foto werfen.