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Tuesday, October 23, 2012

Beute oder Trophäe?

Die Antwort liegt im Auge des Betrachters! Die „Trophäenkommission“ der Roten Armee transportierte nach dem Zweiten Weltkrieg als Entschädigung für die Verwüstungen der Wehrmacht in der Sowjetunion und als Ausgleich für die Verluste eigener Sammlungen deutsche Kunstschätze nach Russland. Ende der 1990er Jahre wurden dann die sich noch im Land befindlichen Trophäen kurzerhand zum Eigentum Russlands erklärt. Nach international gültigen Bestimmungen, die auch Russland anerkannte, ist diese Einbehaltung von Kunstwerken rechtswidrig.

Auf deutscher Seite spricht man hingegen von „Beutekunst“. Damit gemeint ist die kriegsbedingte Verlagerung von Kunstgegenständen – eine zeitlich begrenzte Verlagerung zum Schutz und Erhalt der Werke. Und genau diese in der Begriffsbestimmung implizierte unterschiedliche Auffassung – Trophäe und Beute – lässt Verhandlungen über den zukünftigen Verbleib nahezu stagnieren. Eine Trophäe ist eine (mehr oder weniger) rechtmäßig erworbene Auszeichnung des Siegers, eine Beute in der Definition Diebesgut. Inwiefern diese Debatte noch von kulturhistorischen oder schlicht weg von politischen Intentionen geprägt ist, können vielleicht nur noch die Involvierten mit Bestimmtheit sagen.

Zumindest tauchen nach und nach immer wieder neue, kriegsbedingt verlagerte Stücke in den russischen Depots auf und werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen und Wissenschaftlern wird Kunst aufgearbeitet und ausgestellt – ausgestellt in Russland, nicht in Deutschland. Denn einmal über die Grenze gebracht, werden die deutschen Museen ihren Besitzanspruch wieder geltend machen.


George Grosz, Der Agitator, 1928.
Öl auf Leinwand, 108 x 81 cm.
Stedelijk Museum, Amsterdam.



Kasimir Malewitsch, Aviator, 1913-1914.
Öl auf Leinwand, 124 x 64 cm.
Staatliches Russisches Museum , St. Petersburg


Doch unabhängig von der die letzten Jahrzehnte bestimmenden Frage nach Beute oder Trophäe gibt es in der deutsch-russischen Geschichte unzählige Verflechtungen, von den Handelsbeziehungen im Mittelalter über dynastische Verbindungen im 18. und 19. Jahrhundert bis zum künstlerischen Austausch in der klassischen Moderne, die für beide Länder Inspiration bedeutet. Die letzten 1000 Jahre dieser gemeinsamen Geschichte, die gegenseitigen Einflüsse und ihre wechselseitigen „Beuten“ und „Trophäen“ präsentiert nach dem Staatlichen Historischen Museum Moskau nun vom 6. Oktober 2012 bis zum 13. Januar 2013 das Neue Museum Berlin in der Ausstellung Russen & Deutsche. 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur.

Begeben Sie sich auf eine Reise durch die Geschichte und verfolgen Sie damit eine wirtschaftliche und sozial-geschichtliche Entwicklung sowie die kulturhistorischen Zusammenhänge. Mit den Büchern des Verlages Parkstone-International zur Deutschen Malerei von Klaus H. Carl und zur Russischen Malerei von Peter Leek erhalten Sie einen ersten Einblick in die Meisterwerke der beiden Länder und entdecken im Vergleich die eine oder andere gegenseitige Inspiration.

Thursday, September 6, 2012

Stereotypen und russischer Realismus

Das alte Zarenreich Russland wird heute immer noch mit vielen Stereotypen verbunden: Selbstgebrannter Wodka in trinkfreudigen Gesellschaften mit Balalaika-Musik oder mit traditionellen Trachten und Volkstänzen. Nach Umfrage des Magazins Der Spiegel vom Dezember 2007 sollen Russen tapfer und gastfreundlich sein. Aber was weiß man wirklich von diesem flächenmäßig größten Staat, der vor allem Kälte und Winter mit langen Nächten assoziiert? Dem einen mögen die Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Igor Strawinsky oder die Opern-Diva Anna Netrebko ein Begriff sein, dem anderen Literaten wie Alexander Puschkin, Lew (Leo) Tolstoi oder Fjodor Dostojewski, und vielleicht mag auch der eine oder andere die Namen der Maler Ilja Repin und Valentin Serow schon einmal vernommen haben. Doch was weiß man wirklich über dieses Land der Märchen und Sagen, über seine Künstler und deren Intentionen?

Die beiden waren Maler des Realismus und bildeten das gesellschaftliche Leben ihrer Zeit kritisch und charakteristisch ab. Beide schlossen sich einer um die letzte Jahrhundertwende erfolgreichen Künstlergruppe, den Peredwischniki, den Wanderern, an, die sich in ihren Arbeiten gegen die erstarrten Traditionen der Akademiemalerei wandten.

In Porträts, Landschaften, Genre- oder Historienszenen stellten sie in mitunter psychologisierten Momentaufnahmen die Missstände des Alltags dar. Inspiriert von den Impressionisten, sollte vor allem Repin in seiner formalen Auseinandersetzung mit Licht und atmosphärischen Effekten zum unübertroffenen Vertreter des russischen Realismus werden. Sein Schüler Serow entwickelte sich zu einem der ersten russischen Impressionisten.

Image
Ilya Repin, Leo Tolstoi beim Pflügen, 1887.
Öl auf Karton, 27.8 x 40.3 cm.
Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau


Lassen sie sich von diesem großartigen Künstler noch bis zum 8. Oktober 2012 in der Ausstellung Ilya Repin: Master Works from the State Tretyakov Gallery im Bunkamura Museum of Artin Tokyo faszinieren oder erweitern Sie ohne lange Anreise und vielleicht in Gesellschaft eines guten russischen Wodkas – in Maßen versteht sich – Ihren Informationsstand über Russland, seine Künstler und seine Maler des Realismus mit den Büchern Repin von Grigori Sternin und Jelena Kirillina sowie Valentin Serow von Dmitri Sarabianov des Verlages Parkstone-International, die sowohl als Print als auch als E-Book erhältlich sind.